Hier
wird der Webmaster von www.bilderkiste.de
interviewt.
PC Globe: Beschreiben Sie bitte
kurz Ihr laufendes Online Projekt:
Bilderkiste: Bilderkiste.de bietet Webmastern zur Zeit rund 500 kostenlose Fotos,
sowie (zum Teil animierte) Cliparts, Bannerrohlinge, Buttons und
Backgrounds.
Auch Fotos und Grafiken fremder Fotografen / Grafiker werden bei
Bilderkiste.de vermarktet - diese sind allerdings nur kostenpflichtig zu
haben. Denn wer arbeitet schon gerne für lau?
PC Globe: Wie haben Sie diese Seite aufgebaut und wie fing es an?
Bilderkiste:
Die Geburtsstunde von Bilderkiste.de schlug bereits 1998. Damals - als
die Werbepreise noch realistisch waren - träumte ich von einem
"Selbstläufer", einer Seite, die ohne viel Arbeit ein kleines
Nebeneinkommen abwirft. Um sich von der Masse der Clipart-Archive
abzuheben, sollte der Schwerpunkt bei den Fotos liegen. Doch schnell
musste ich feststellen, dass dieser Traum schneller geplatzt war als
gedacht, und vor dem Geld verdienen halt doch ein hartes Stück Arbeit
steht. Ist das Foto erst einmal geknipst, muss es nachbearbeitet werden,
es muss ein kleines Vorschaubild erstellt werden und parallel dazu ein
größeres Vorschaubild, auf dem man auch Details sieht. Das ganze muss
wegen dem ausufernden Bilderklau jeweils mit einem Schriftzug geschützt
und anschließend komprimiert werden. Danach erst fängt das eigentliche
Einbinden in den Webkatalog an: Jedes Foto muss in spezielle Rubriken
einsortiert werden und mit den passenden Links (zum Beispiel für nähere
Bildinfos) versehen werden.
PC Globe: Was unterscheidet Ihre Seite von anderen Seiten mit demselben Thema?
Bilderkiste:
Oben habe ich erwähnt, dass die Verwaltung unglaublich viel Arbeit
macht. Doch genau hier liegt auch der Vorteil, den die meisten anderen
Seiten nicht bieten. Während "die anderen" es sich einfach machen und
die Bilder in eine Datenbank mit Stichwortsuche einsortieren, werden die
Bilder bei Bilderkiste.de wie in einem Katalog in einzelne Rubriken
einsortiert. Gibt man bei einem unserer Mitbewerber zum Beispiel das
Wort "Geldschein" ein, so werden eine Menge Musiknoten aufgelistet. Hier
ist die Suchmaschine wohl etwas zu großzügig programmiert (Geldschein =
Banknote = Bank-NOTE). Das kann bei manueller Eintragung nicht passieren
- hier findet der User das, was er sucht. Zudem bieten wir mehr Service:
Man kann nach Bildern zu speziellen Themen per Mail anfragen und will
man ein Bild verwenden, kann man im Bestellformular schon gleich die
benötigten Maße nebst dpi-Tiefe angeben und erhält das Bild somit direkt
in der korrekten Abmessung.
PC Globe: Welchen Rat würden Sie Anfängern als erstes geben, die eine Webseite
erstellen wollen?
Bilderkiste:
1) Fehlerfrei programmieren und den Grundsatz "weniger ist mehr"
beachten
2) Werbung schalten
3) Noch mehr Werbung schalten
4) Auch, wenn man es sich finanziell nicht leisten kann: Noch viel mehr
Werbung schalten
Bilderkiste:
Im Internet gibt es keine "Laufkundschaft" wie in einer Fußgängerzone.
Der Erfolg Ihres Projekts steht und fällt mit der Werbung, die Sie
schalten. Dabei sollten Sie darauf achten, auf jedem Banner Ihre URL mit
anzugeben. Denn ein Klick ist weniger wert als viel denken. Tausendmal
wichtiger ist es, den Domainnamen in die Köpfe einzubrennen. Die
monatlich 20.000 Bilderkiste-User kommen ganz sicher nicht durch 20.000
Klicks - das wäre ja unbezahlbar. Bekanntheit ist wichtiger als alles
andere. Jemand hat mal ausgerechnet, dass die Firma "Coca Cola" selbst
dann noch ein paar Millionen wert ist, wenn sämtliche Produktionshallen,
Werbeschilder und sogar das Getränk selber mit einem Schlag verschwinden
würden. Alleine der Name hat einen schier unbezahlbaren Wert! Genau hier
müssen Sie mit ihrem Projekt auch hinkommen, wenn Sie im Internet
bestehen wollen.
PC Globe: Welche Webseite ist Ihr Favorit im Netz und warum?
Bilderkiste: Google.de, weil man hier die besten Ergebnisse bei einer Suche erzielt -
eindeutige Suchbegriffe vorausgesetzt.
PC Globe: Wie Sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft des Internets und Ihrer Page aus?
Bilderkiste:
Die Zukunft des Internets wird ganz klar kostenpflichtig werden. Schon
in naher Zukunft wird uns an jeder Ecke ein kleiner Geldbetrag
berechnet. Denn 5 Cent sind für den Einzelnen wirklich nicht viel. Wenn
aber 100.000 User 5 Cent bezahlen, kommen so "mal eben" 5.000 Euro
zusammen. Glauben Sie nicht auch, dass man mit 5.000,- Euro bessere
Angebote erstellen kann, als wenn man mit den mageren Werbegeldern
gerade mal den Traffic bezahlen kann? Bilderkiste.de hat zur Zeit ca
20.000 User mit 450.000 Seitenabrufen im Monat. Diese verursachen rund
10 Gigabyte Traffic, der erstmal bezahlt sein will. Dazu kommen dann
noch eigene Werbekosten, sowie Personalkosten - denn die Fotos müssen ja
auch von jemandem eingebunden werden. Um unseren Dienst weiterhin am
Leben halten zu können, setzen wir auf einen Startseiten-Klickzwang und
auf einen kleinen Onlineshop mit Webmaster-Themen, wie zum Beispiel
T-Shirts mit eigener Internetadresse oder Stempel mit dem eigenen
Domainnamen. Das ist jedoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Da ein
Unternehmen nicht nur die Unkosten decken muss, sondern auch Gewinne
erwirtschaften will, werden immer mehr Bereiche kostenpflichtig. Von den
Gratis-Angeboten abgesehen kostet zum Beispiel der Download einer Grafik
ca. 1,50 Euro. Viele sind darüber entsetzt. Doch 1,50 Euro sind für den
Einzelnen nun wirklich nicht viel Geld. Wer es gratis will, muss halt
mit den 08/15-Cliparts leben, deren Herkunft und rechtliche Verwendung
meist mehr als zweifelhaft ist. Wer bei Bilderkiste.de jedoch einen
kleinen Download-Beitrag entrichtet kann sicher sein, dass wir den
entsprechenden Grafiker unter Vertrag haben und auch angemessen am
Umsatz beteiligen.
Ein rein werbefinanzierter Dienst wäre eigentlich auch kein Problem -
wenn die Werbekunden realistisch blieben. Doch auch viele
Homepagebetreiber nehmen aus der Not heraus viel zu geringe
Werbeeinnahmen, um überhaupt noch etwas verdienen zu können. Sehr
beliebt sind zur Zeit die so genannten Partnerprogramme, bei denen man
ca. 5 Cent erhält, falls mal ein User das Banner anklickt. Viele zahlen
sogar erst dann ein paar Prozentchen, wenn nach dem Bannerklick ein Kauf
erfolgt ist. Für die Werbekunden ist das natürlich eine feine Sache.
Denn diese erhalten eine kostenlose Markenbildung und zahlen Peanuts,
die oft noch nichtmal den Aufwand des Einbindes rechtfertigen. Kein
TV-Sender, kein Radiosender und keine Zeitschrift würde ihre
Werbeeinnahmen vom Erfolg der Werbekampagne abhängig machen. Werbung ist
und war schon immer auf Markenbildung aufgebaut. Niemand ruft seinen
Lieferservice an, weil er eine Schokoladen-Werbung in einer Zeitschrift
gesehen hat. Und niemand gibt die Internetadresse ein, die im
Kaffee-Werbespot eingeblendet wird. Trotzdem kennt man Marken wie Milka,
Uhu, Tesa und Jacobs - und viele von uns kaufen diese Marken auch, weil
Bekanntheit Vertrauen schafft. Ein Effekt, den die Werbetreibenden im
Internet schamlos ausnutzen. Gezahlt werden Centbeträge für einen Klick,
der mittlerweile auf freiwiliiger Basis kaum noch erfolgt. Wenn 1.000
Bannereinblendungen 5 Klicks erzeugen (0,5%, eine normale Klickrate),
zahlt der Werbekunde dafür im Schnitt 25 Cent für 1.000 Sicht-Kontakte
(Views). Mir ist keine andere Werbeform bekannt, bei der man für 25 Cent
1.000 Leute erreicht. Doch solange die Homepagebetreiber das Spielchen
mitmachen, wird sich daran auch nichts bessern. Darum werden über kurz
oder lang nur die kostenpflichtigen Dienste überleben. Erst vor kurzem
habe ich gelesen, dass der DINO-Verlag (bekannt durch Zeitschriften wie
"Gute Zeiten Schlechte Zeiten", "Pumuckl", "MAD" usw) sein kostenloses
Onlineangebot nicht weiter betreiben wird - die Kosten übersteigen die
Einnahmen (Mehr Infos hierzu unter http://www.dinoag.de). Wenn es selbst
den Profis nicht gelingt, Werbung im Internet zu verkaufen, wie soll es
dann dem kleinen Mann gelingen? Viele Bereiche auf T-Online.de werden
kostenpflichtig, die Gratiszeitungen sowieso und wer bei Autoscout 24
seinen Gebrauchtwagen mit Foto inserieren will, wird ebenfalls zur Kasse
gebeten. Wir werden uns wohl damit abfinden müssen, dass niemand
überleben kann, der auf seiner Homepage nichts verkauft. Bedeutende
TV-Sender gibt es 5, bedeutende Ineternet-Angebote schätzungsweise
50.000 - der Kuchen ist für eine reine Werbefinanzierung einfach viel zu
groß und wird sicher eher größer denn kleiner. Doch warum sollte man
sich gegen das Bezahlen sträuben? Ihr Bäcker gibt die Brötchen auch
nicht gratis ab, wenn auf der Brötchentüte eine Werbenazeige aufgedruckt
ist. Doch im Internet ist genau das der Fall. Es geht ja sogar schon
soweit, dass der User bezahlt wird, wenn er einen Newsletter (für den er
eigentlich zahlen sollte) empfängt. Dass so etwas nicht lange gut gehen
kann, dürfte schon bald auch dem letzten klar werden...
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